Mamaleben | Was, du stillst noch? | Konfliktthema Stillen

Als ich mit Klein L schwanger wurde, war für mich von Anfang an klar, dass ich mein Kind stillen werde. Nicht, weil ich einer dieser kompromisslosen Stillverfächterinnen bin, sondern, weil es nach meinem Bauchgefühl die richtige Entscheidung war. Auch beim Frauenarzt und im Geburtsvorbereitungskurs wurde ich in meiner Entscheidung bestätigt. Darum habe ich mich damals mit dem Thema auch nicht weiter auseinander gesetzt. Natürlich hatte ich, wie wahrscheinlich alle übervorsichtigen Erstlingsmamas, eine Packung Pre-Nahrung gekauft, falls es mit dem Stillen doch irgendwie nicht klappen sollte.

 

Nach der Geburt funktionierte das Stillen von Beginn an problemlos. Klein L nahm die Brust sofort an, wollte von alleine in regelmäßigen Abständen trinken und nahm ausreichend zu. In unserer Geburtsklinik wurde das sogenannte "Stillen nach Bedarf" unterstützt (Was anscheinend nicht in jedem Krankenhaus so gehandhabt wird, wie ich später erfuhr.), so konnten wir ziemlich schnell unseren eigenen Rhythmus finden.

Als Klein L sechs Monate alt war, wurde ich von außen wieder mit dem Thema konfrontiert. Zu der Zeit wollte ich mit Beikost starten und informierte mich über die unterschiedlichen Möglichkeiten. Dabei stieß ich automatisch auf das Thema Stillen.

Erst da wurde ich mir der Brisanz des ganzen Themas bewusst. Überall findet man Ratschläge, wie man zu Stillen hat. Und nicht nur das. Alternative Wege scheinen nicht akzeptiert zu werden.

Entweder man stillt oder man kann nicht stillen. Wer freiwillig nicht stillt wird nicht selten als Rabenmutter hingestellt, denn stillen ist ja bekanntlich das Beste für das Baby. Ja, das sagt mir mein Bauchgefühl auch. Trotzdem verurteile ich keine Mama, die sich gegen das Stillen entscheidet. Milchpulver wird in unserem Land nun mal nicht nur an Bedürftige ausgegeben, bei denen das Stillen nicht klappt, sondern ist ein frei verkäufliches Gut. Bei dem Angebot kann man doch keiner Mutter verübeln, wenn sie sich die Frage stellt, ob sie Stillen möchte oder nicht, und zu dem Ergebnis kommt, dass es für sie angenehmer ist mit der Flasche zu füttern.

 

Aber es geht noch weiter. Denn auch wenn man sich für das Stillen entschieden hat, ist man noch lange keine Vorzeigemutter. Ist das Baby schon etwas älter und wird noch gestillt, wird man von vielen Seiten schief angeguckt. Ist das Kind nicht schon zu alt dafür?

Bei der Frage muss eigentlich jede Mama mit NEIN! antworten. Denn ob ein Kind zu alt zum Stillen ist oder nicht muss doch jede Mutter für sein Kind UND sich selbst entscheiden. 

 

Klein L ist mittlerweile 26 Monaten alt. Und ja, sie wird noch gestillt. Ist sie schon zu alt dafür? NEIN, auf keinen Fall! Natürlich isst sie ganz normal drei Mahlzeiten am Tag und auch zwischendurch mal ein Snack. Nahrungstechnisch bräuchte sie es also nicht mehr. Zum Einschlafen braucht sie das Stillen aber definitiv noch und das ist für mich auch vollkommen ok. Auch in der Nacht sucht sie ab und an Mamas Nähe. Meistens trinkt sie dann gar nicht, sondern nuckelt nur ein bisschen. Dann ist sie beruhigt und schläft auch schnell wieder tief und fest. 

 

Stillen ist für uns eben mehr als eine Form der Nahrungsaufnahme. Beim Stillen ist Klein L in Mamas Nähe, fühlt sich geborgen und sicher und beruhigt sich sehr schnell wieder. Das hat uns schon sehr viel häufiger geholfen, als nur beim abends ins Bett bringen. Zum Beispiel, wenn sie viel erlebt oder viele neue Dinge gelernt hat, wenn wieder mal ein neuer Zahn kommt, oder wenn sie sich weh getan hat. In solchen und noch vielen anderen Situationen braucht sie einfach eine große Portion Mama. Und weder Papa noch irgendein Schnuller kann diese dann ersetzen.

 

Aber auch aus gesundheitlichen Gründen stille ich noch gern. Denn, man mag es kaum glauben, in ihrem ganzen Leben war Klein L noch nie richtig krank. Zweimal hatte sie einen leichten Schnupfen, das war's. Diese Tatsache wird mit Sicherheit das Resultat aus einem Zusammenspiel vieler Faktoren sein, aber ich denke, das Stillen hat da einen sehr großen Beitrag zu geleistet.

 

Wann werde ich denn nun abstillen? Diese Frage habe ich mir schön öfter gestellt. Eine Antwort kann ich mir darauf noch nicht geben. Bis der Schulbus kommt, mit Sicherheit nicht. Aber solange es mir mit dem Stillen gut geht, werde ich auch weiter Stillen. Vielleicht wird Klein L diejenige sein, die irgendwann nicht mehr möchte, vielleicht ich. Ich lasse es auf mich zukommen und werde mir bei diesem Thema von niemand anderem reinreden lassen. 

 

So sollte doch jede Mutter für sich frei entscheiden können, welcher Weg für sie und für ihr Kind der richtige ist. Also hör auf dein Bauchgefühl und Stille so lange, wie es dir gut tut!

 

Bis bald, Deine Frieda

Kommentar schreiben

Kommentare: 0